VILLA BEER in Wien (1929–1931)
: Architektur und Design
Architekten: Josef Frank und Oskar Wlach
Die Wand als Projektionsfläche und bescheidene Geste: Die glatten, weißen Außenwände sind Projektionsflächen für das wechselnde Spiel der Baumschatten. Die Natur darf mitgestalten, nicht jedes Gestaltungselement wird von den Architekten beherrscht.
Bezüge zur Schiffsarchitektur: Die Villa ist von der Ästhetik moderner Ozeandampfer inspiriert. Das zeigen die Rundfenster, die filigranen Geländer und terrassenartigen Abstufungen. Im Inneren zum Beispiel die Treppen im Dienstbotenbereich.
Gleichberechtigung der Eingänge: Ein revolutionärer Akt lag auch darin, dass der Dienstboten- und der Herreneingang gleichwertig - fast nebeneinander - gestaltet wurde. Die Bediensteten gingen nicht durch versteckte, dunkle Nebeneingänge ins Haus.
Wiener Schmäh: Josef Frank war bekannt für seinen Schmäh und seine undogmatische Haltung. Er weigerte sich, Architektur als bierernste Kunstform zu betrachten. Wohnen sollte Spaß machen, gemütlich sein und den Menschen dienen, nicht einer starren Ideologie. 🌱
"Pfade" führen durch das Innere der Villa wie ein fließender Raumorganismus. Verschiedene Wege und Treppen ermöglichen so einen Rundgang durchs Haus.
Überraschungseffekte durch Nischen, Podeste und unterschiedliche Raumhöhen sowie eine beeindruckende 26 Meter lange Blickachse, die sich quer durch das Erdgeschoss zieht. Hohe Fenster und Innentüren, die unverhofft in den Garten führen, sorgen für eine unkonventionelle Würze. ;)
Die Antithese zum Bauhaus setzt die Inneneinrichtung mit von Frank und Wlach entworfenen bunten Stoffen und bequemen und veränderbaren Möbeln. Ikea orientiert sich heute übrigens stark an Franks Philosophie des "Wohnsubjektivismus".
Das alles durften wir in einer wirklich beeindruckenden Führung durch die Villa Beer Wien in Hietzing erfahren - vielen Dank Heinrich Schuller & Baurettungsgasse für die Organisation!!
Fotos: Stefan Polzhofer ✨