Die Sache mit unserem Gehirn und der(Zukunfts)Gestaltung

Der Psychiater und Neurowissenschaftler Iain McGilchrist beschreibt in seinem Buch The Matter with Things zwei unterschiedliche Arten, auf die Welt zu blicken.

Die eine ist fokussiert, analysiert, zerlegt und berechnet.
Die andere nimmt Zusammenhänge, Beziehungen und Bedeutung wahr.

Er meint, es sei ein Mythos, dass wir dabei entweder mit der linken oder der rechten Gehirnhälfte denken. Beide seien an nahezu jedem Vorgang beteiligt. Sie schenken der Welt jedoch auf unterschiedliche Weise Aufmerksamkeit.

McGilchrists These lautet: Unsere westliche Gesellschaft hat sich seit der Aufklärung immer stärker auf das konzentriert, was rational, messbar und technisch beherrschbar ist, also auf das Denken mit der linken Gehirnhälfte.

Das hat Fortschritte und Erkenntnisse in vielen Bereichen gebracht, aber auch zu einer starken Schieflage in unserer Wahrnehmung geführt. 

Das Problem ist für ihn also (offensichtlich) nicht Vernunft oder die Wissenschaft, sondern die vielen Bereiche, wo dieses Denken zur einzigen anerkannten Form des Weltzugangs wird. Denn dann betrachten wir die Welt als Ansammlung berechenbarer Einzelteile:

  • Natur wird zu Materie und Ressource.

  • Menschen werden zu Daten, Funktionen oder – wie Yuval Noah Harari es nennt – „hackable animals“.

  • Intelligenz wird mit Rechenleistung gleichgesetzt.

  • Kreativität wird nur noch nach dem sichtbaren Ergebnis beurteilt.

  • Fragen nach Sinn, Schönheit, Beziehung und Transzendenz erscheinen als irrational oder nebensächlich.

Der Bezug zur KI ist besonders interessant, denn KI verstärkt genau jene enge, analysierende und instrumentelle Form der Aufmerksamkeit, die in der westlichen Moderne ohnehin dominiert. 

Wenn wir uns immer stärker an Maschinen orientieren, bestehe die Gefahr, dass wir auch uns selbst wie Maschinen verstehen – und die reiche, relationale, bewusste und bedeutungsoffene Seite des Menschseins vernachlässigen.

Wir verstehen also immer besser, wie etwas funktioniert, aber immer weniger, was es bedeutet.

Zukunftsgestaltung (und Menschsein) meint nicht, immer mehr zu messen und zu optimieren. 

Wir sollten auch nach Sinn, Schönheit, Beziehungen und dem größeren Zusammenhang fragen. Heute mehr denn je. 

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Der Zukunftsmoment im Design